Deutsche und usbekische Hochschulen mit Unterstützung der Volkswagen-Stiftung beim Aufbau eines Studienganges für Bauerhaltung und Baudenkmalpflege in Usbekistan
Die Städte und Monumente der mittelasiatischen Seidenstraße, verwinkelte Altstadtquartiere, quirlige Basare, hochaufragende blauschillernde Kuppeln, aber auch die nicht zu übersehenden Bauten und Stadträume der sowjetischen Zeit wie auch der Moderne prägen das Bild des Europäers von Mittelasien und Usbekistan. Das städtebauliche Zusammenspiel und der Kontrast von Alt und Neu zeigen uns, wie eng Geschichte und Gegenwart räumlich beieinander liegen und aufeinander bezogen sind. Dieses historisch gewachsene Geflecht stellt für künftige Architekten, Ingenieure und Denkmalpfleger eine interessante Herausforderung dar.
Der Usbekisch-Deutsche Masterstudiengang Bauerhaltung und Denkmalpflege ist Bestandteil eines geplanten Förderprojektes der deutschen Volkswagen-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Republik Usbekistan. Die Fachhochschule Potsdam, die Technische Universität Dresden, die Bauhaus-Universität Weimar, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie die staatlichen Architekturhochschulen in Taschkent und Samarkand tragen diesen Studiengang mit seinen Lehrstandorten in Usbekistan und Deutschland.
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Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts waren viele der historischen Monumentalbauten Mittelasiens dem Untergang geweiht, nach der Einverleibung dieser Region durch das russische Zarenreich ab 1850 erwachte schnell eine „Altertümerforschung“ als erste akademische Hinwendung zu den Zeugnissen der Geschichte. In sowjetischer Zeit begann die Restaurierung vieler Objekte, der sozialistische Städtebau forderte aber gleichzeitig erste Tribute und Einschnitte. Nach der 1991 erlangten Unabhängigkeit Usbekistans wurde wohl mehr denn je in das bauliche Erbe investiert. Aber vieles bleibt noch zu tun, manches ist zu überdenken, hier und da sind Aspekte anders zu bewerten oder langfristige Konzepte zu entwickeln, in denen >weniger manchmal mehr sein kann<. Europäisches Know-how und lokale Ressourcen materieller und geistiger Natur sollen nun in einem speziell aufzubauenden Studiengang für junge Usbekinnen und Usbeken verschmelzen.
Das reiche architektonische Erbe Mittelasiens stellt ein breites und vielfältiges Betätigungsfeld für Spezialisten aus den Fachgebieten des Bauingenieurwesens, der Architektur, der Denkmalpflege, der Restaurierung, der Archäologie, der Kunstgeschichte und anderer Disziplinen dar. Beachtliche Restaurierungsmaßnahmen wurden in den vergangenen Jahrzehnten realisiert. Die technischen und nicht minder auch die gesellschaftlichen Entwicklungen generieren aber zahlreiche neue Fragestellungen und Wechselwirkungen. Durch den Aufbau dieses Studienganges soll daher ein wirkungsvoller Beitrag geleistet werden, Fachleute heranzubilden, die nach zeitgemäßen Standards planerischer, ingenieurtechnischer und denkmalpflegerischer Methoden und Techniken arbeiten können und deren fachliche Entscheidungen zugleich auf einem breiten interdisziplinären Fundament stehen. Letztlich geht es aber um die Befähigung, die materiellen und kulturgeschichtlichen Werte eines Bauwerkes oder Bauensembles wahrzunehmen und zu bewahren.
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